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Warum müssen Patient*innen selbstbewusster werden?
Was der Trendbegriff „Patientenempowerment" bedeutet.

Gesundheitskompetenz ist ein Schlagwort, das es schon seit den 1970er-Jahren gibt. Aber was ist damit überhaupt gemeint?

 

DR. GOOGLE – DER BESTE FREUND DER HYPOCHONDER. Es beginnt mit Kopfschmerzen und endet bei einem Gehirntumor. Praktisch, dass man sofort im Internet nachschauen kann, wenn man sich nicht wohl fühlt, aber gleichzeitig irritiert es auch. Bin ich todkrank oder habe ich nur eine Kleinigkeit? Dr. Google hat für alles mehr als eine Antwort. Für Hypochonder ist er eine echte Herausforderung. Es fällt schwer, den Überblick zu behalten, vor allem, wenn man sich im WWW von einem Artikel zum nächsten hantelt.

 

Früher war es kompliziert, überhaupt an Informationen zu kommen. Inzwischen leben wir im Zeitalter der Überinformation. Das macht es nicht gerade leichter, wie die aktuelle Pandemie beweist, in der die abstrusesten Ideen über COVID-19 im Internet zirkulieren. Wenn es um Gesundheitsthemen geht, ist das Internet die Hauptinformationsquelle der Österreicher*innen. 67 Prozent recherchieren zuerst im Netz, um über Krankheiten, Vorsorge oder Ernährung etwas zu erfahren, Frauen häufiger als Männer (72 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer).

 

Diese Zahlen stammen von der Homepage des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. Warum das wichtig ist? Weil im Netz viel Unsinn steht. Um an brauchbare Informationen zu kommen, ist es zentral, die Spreu vom Weizen zu trennen. Über eine Dreiviertel Million medizinischer Internetseiten gibt es allein auf Deutsch. Das Tückische daran: Gerade Websites, die gut auffindbar sind, werden oft von Pharmaunternehmen mitfinanziert. Das erkennt man nicht nur am Impressum, sondern auch daran, dass häufig der Schweregrad von Erkrankungen betont wird, und der Erfolg von medikamentöser Therapie.

 

FAKE NEWS VON ECHTEN INFORMATIONEN UNTERSCHEIDEN. Unabhängige, evidenzbasierte und verständliche Informationen sind rar. Zur Gesundheitskompetenz gehört, dass man lernt, Fake News von echten Informationen zu unterscheiden. Und sich nicht in den Weiten des WWW zu verlieren, um am Schluss noch verwirrter als vorher zu sein. Aber auch im realen Leben gibt es das Schlagwort Gesundheitskompetenz. Dazu gehört auch, dass man keine Hemmung hat, bei einer Untersuchung beim Arzt oder der Ärztin nachzufragen, wenn etwas unklar ist.

 

DATEN MÜSSEN TRANSPARENT SEIN. Es gibt mehr Daten denn je zuvor. Aber was nützen sie, wenn sie nicht transparent oder nachvollziehbar sind? Gesundheitskompetenz ist nicht nur eine Frage der persönlichen Fähigkeiten, sie betrifft das gesamte System. Wird medizinisches Personal genügend geschult, Patient*innen bei der Diagnose auch wirklich zuzuhören? Können Ärztinnen und Ärzte mit einfachen Worten erklären, was meine Krankheit ist und was ich dagegen tun kann? Oft scheitert es an der Kommunikation. Deshalb steht in Ländern wie Finnland „Health Education“ seit 2001 als verpflichtendes Schulfach auf dem Programm, um schon in jungen Jahren eine Sensibilisierung für dieses wichtige Thema zu starten.

 

SELBSTBEWUSST AUFTRETEN. Welche Schritte kann jede*r konkret setzen? Wer sich schwer tut, legt sich am besten vor dem Besuch bei einem Arzt oder einer Ärztin bereits Fragen zurecht. Oder übt daheim oder mit Freund*innen ein Gespräch in der Ordination, um selbstbewusster aufzutreten. Gesundheitskompetenz bedeutet nämlich auch, dass man nach einer Untersuchung mit einem guten Gefühl heimgeht und weiß, worum es geht und was die nächsten Schritte sind.

 

KONKRETE EMPOWERMENT-TIPPS. Auch die Österreichische Plattform für Gesundheitskompetenz (OEPGK) klärt auf und gibt konkrete Tipps. Auf der Webseite wird genau beschrieben, wie das Schlagwort immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Die erste Erwähnung des Begriffs „Health literacy“ findet sich in einer Publikation von 1974, damals ging es vor allem um den Zusammenhang zwischen Basisbildung wie Lesen und Schreiben und Gesundheit. Mittlerweile wird das Feld viel breiter gedacht. Empowerment und Partizipation stehen im Zentrum. Menschen sollen befähigt werden, für ihre Gesundheit selbst Sorge zu tragen, sie zu stärken und aktiv zu handeln. Eine Art Fitness-Training für das eigene Wohlbefinden. Um souveräner zu sein und mehr vom Leben zu haben.

 

http://www.frauengesundheitszentrum.eu/wo-finde-ich-gute-gesundheitsinformationen/

 

 

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Klinikguide.at-Autorin:  Karin Cerny