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Wie gesundheitskompetent sind wir?
Wie man nicht auf Fake-Gesundheitsinformationen hereinfällt. Christina Dietscher weiß, wie es geht.

Ruhig auch drei Mal nachfragen: Christina Dietscher arbeitet im Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. Im Gespräch erklärt sie, warum Gesundheitskompetenz nicht nur Patient*innen betrifft und wie man sich am besten auf einem Besuch beim Arzt oder der Ärztin vorbereitet.

 

Wie sieht es mit der Gesundheitskompetenz der Österreicher*innen aus?
Österreich gehört zu den europäischen Pionierländern, wenn es um die Förderung von Maßnahmen zur Steigerung der Gesundheitskompetenz geht. Das liegt auch daran, dass wir vor mehr als zehn Jahren in einer ersten vergleichenden Erhebung eher nicht so gut abgeschnitten hatten. Das hat den Startschuss gegeben. Unter anderem haben wir eine Österreichische Plattform für Gesundheitskompetenz (ÖPGK), wo die wesentlichen Player des Gesundheitssystems zusammenarbeiten, aber auch Partner aus anderen Ressorts, weil ja zum Beispiel auch die Bildung für die Gesundheitskompetenz zentral ist.

 

Welche Schritte gilt es da zu setzen?
Wir gehen davon aus, dass Gesundheitskompetenz die Fähigkeit ist, mit Informationen so umzugehen, dass man gute Entscheidungen für sich selbst treffen kann. Da macht es Sinn, schon möglichst früh in der Schule zu lernen, wie man seriöse Informationen von Fake News unterscheiden kann. Gleichzeitig ist Gesundheitskompetenz nicht nur eine Frage, was einzelne Menschen können, sondern auch, wie leicht oder schwer wir es den Menschen machen, an gute Informationen heranzukommen. Deswegen haben wir unter anderem das Öffentliche Gesundheitsportal Österreichs gegründet, wo wir qualitätsgesicherte Infos von der öffentlichen Hand zur Verfügung stellen.

 

„Für viele Menschen gar nicht so einfach ist, zu verstehen, was ihnen von einem Arzt oder einer Ärztin oder anderen Gesundheitsberufen gesagt wird.”

 

Der erste Weg führt für die meisten zu Dr. Google. Wie sinnvoll ist die Suche im Netz, wenn man sich krank fühlt?
Das kann man nicht pauschal beantworten. Wenn jemand eine gute Suchstrategie hat, wird es leichter möglich sein, zu beurteilen, was Fake News sind und was nicht. Je weniger man das aber kann, desto problematischer ist es, wenn man viel googlet. Wir haben andere Ansätze: Aus Befragungen wissen wir, dass es für viele Menschen gar nicht so einfach ist, zu verstehen, was ihnen von einem Arzt oder einer Ärztin oder anderen Gesundheitsberufen gesagt wird. Daraus ist dann eine Strategie zur Verbesserung der Gesprächsqualität in der Krankenversorgung entstanden. Es gibt zum Beispiel Trainings für das Gesundheitspersonal, das mit Schauspiel-Patienti*innen übt und dann Feedback bekommt über das Kommunikationsverhalten.

 

Bleiben wir noch kurz beim Googlen: Woran erkenne ich zuverlässige Informationen?
Ein wichtiges Kriterium ist, dass der Autor oder die Autorin im Netz auffindbar ist und einen wissenschaftlichen Hintergrund hat. Eine andere Sache ist der Schreibstil, wenn etwas sehr reißerisch verfasst ist, oder mir das Blaue vom Himmel versprochen wird, dann sollte ich vorsichtig sein. Interessant ist auch die Frage: Sagen das viele Menschen oder nur wenige? Und dann gibt es Faktencheck-Plattformen wie Mimikama, die man nutzen kann.

 

Ist es sinnvoll, sich auf einen Arztbesuch vorzubereiten?
Aus meiner Sicht ist das unverzichtbar. Es gibt die ÖPGK-Initiative „3 Fragen für meine Gesundheit“, die eine gute Basis sind. Erstens: Was habe ich eigentlich? Es ist gar nicht so selbstverständlich, dass man nach einer Konsultation wirklich weiß, was das konkrete Problem ist. Zweitens: Was kann ich tun? Wie kann ich beitragen, meine Situation zu verbessern? Wie sind beispielsweise die Medikamente einzunehmen? Und die dritte Frage ist: Was passiert, wenn ich das nicht mache? Mit welchen Konsequenzen habe ich dann zu rechnen?

 

Menschen in weißen Kitteln sind für viele noch immer Autoritätspersonen. Was raten Sie Menschen, wenn sie etwas nicht verstanden haben?
Mir ist es ein Anliegen, die Patient*innen zu sensibilisieren, dass sie auch drei Mal nachfragen können. Es gibt Coachings für Patient*innen, wo man so etwas auch lernen kann. Aber genauso wichtig ist es, Angehörige der Gesundheitsberufe zu schulen, dass sie Fragen zulassen und ernst nehmen. Man weiß aus Erhebungen: Wenn die Kommunikation funktioniert, ist auch die Qualität der Diagnose genauer. Und natürlich ist auch die Behandlung treffsicherer und führt zu besseren Ergebnissen.

 

Man sollte also keine falsche Scham an den Tag legen?
Natürlich haben Ärztinnen und Ärzte mehr medizinisches Fachwissen, aber wo ich als Person ein Problem habe, weiß ich selbst am besten. Und da sollte man mir auch zuhören. Wenn das der Fall ist, dann steigt auch die Zufriedenheit der Patient*innen. Auch das wissen wir aus Studien. Es ist eine Win-win-Situation für beide Seiten.

 

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Klinikguide.at-Autorin: Karin Cerny