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Meine OP: Blasenentfernung
Die rechtzeitige Entfernung der Harnblase durch routinierte Expert*innen kann Blasenkrebs heilen.

Priv.-Doz. Dr. Alexander Friedl, Facharzt für Urologie und Andrologie

DAS SAGT DER FACHARZT. „Schmerzlos blutig verfärbter Urin ist das erste Anzeichen für Blasenkrebs – nehmen Sie dies nicht auf die leichte Schulter.“

 

DIE BEHANDLUNGSMETHODEN. Die Entscheidung zur Entfernung der Harnblase wird heute frühzeitig in einem interdisziplinären Tumorboard gestellt. Ärzt*nnen der Fächer Urologie, Onkologie, Strahlentherapie und Radiologie legen dort sozusagen den „Fahrplan“ fest. Anhand von Computertomographie- und Magnetresonanzuntersuchungen kann die Ausdehnung des Tumors bereits gut eingestuft werden. Abhängig vom Gesundheitszustand (insbesondere der Nierenfunktion) erfolgt acht bis zwölf Wochen vor der Operation eine meist 3- bis 4-zyklische Chemotherapie, die zu einer Verbesserung der Überlebensrate um ca. neun Prozent führt.

 

Die Operation selbst, bei der auch die Lymphknoten im Beckenbereich entfernt werden, dauert etwa dreieinhalb Stunden. Die Expertise der urologischen Abteilung ist dabei einer der wichtigsten Faktoren für den Therapieerfolg. Ob konventionell, laparoskopisch oder robotisch operiert wird, beeinflusst das Ergebnis hingegen nicht. Nach der Entfernung der Harnblase muss die Harnableitung wiederhergestellt werden. Dabei wird Darmgewebe zur Bildung einer Neoblase oder eines Urostomas (künstlicher Ausgang) verwendet. Nach der Operation folgt ein stationärer Aufenthalt von etwa zehn bis 15 Tagen. Währenddessen werden sämtliche Blutwerte regelmäßig gemessen und physikalische Behandlungen eingeleitet.

DAS KRANKHEITSBILD. Die vollständige Entfernung der Harnblase, im Fachjargon radikale Zystektomie genannt, ist eine Operation, die vor allem bei sehr bösartigem Blasenkrebs notwendig wird. Angewandt wird sie bei Blasenkrebs, welcher bereits den Muskel der Harnblase infiltriert. Denn dann hat man es mit einem aggressiveren Tumor mit Tendenz zur Metastasenbildung zu tun. Auch bei wiederkehrendem Blasenkrebs, der über Operationen oder Therapien durch die Harnröhre nicht zu bewältigen ist, kann die Zystektomie zu einer frühen Therapieoption werden.

 

Allerdings hat der Blasenkrebs bei 80 Prozent der jährlich hierzulande erst-diagnostizierten 1.300 Patient*innen – unter denen mehr Männer sind – kein aggressives Stadium. Neben einer seltenen genetischen Ursache (Lynch-Syndrom), ist das Rauchen Risikofaktor Nummer eins. Ob die Harnblase entfernt wird, darauf hat auch der Gesundheitszustand, das Alter und der Wunsch der Patient*innen Einfluss. Vor der Zystektomie gibt es immer eine Nutzen-Risiko-Abschätzung, um Komplikationen zu minimieren. Eine auch mögliche Teilentfernung der Harnblase spielt übrigens eine (noch) untergeordnete Rolle. Als schwächere Alternative zur Zystektomie ist auch eine Bestrahlungstherapie der Harnblase möglich.

Die radikale Zystektomie ist eine Operation, die vor allem bei sehr bösartigem Blasenkrebs notwendig wird.

VERMEIDUNG VON RÜCKFÄLLEN. Nach einer Zystektomie ist eine Rehabilitation in einem der onkologischen Rehabilitationszentren in Österreich sehr sinnvoll. Die Wundheilung muss davor allerdings komplett abgeschlossen sein, und es braucht eine gewisse „Grund-Fitness“. Wer motiviert ist und bei Kraft- und Ausdauerprogrammen mitmacht, hat gute Chancen, seine Lebensqualität zurückzugewinnen. Im Fokus stehen neben der Verbesserung der körperlichen Leistung auch der Umgang mit der neuen Harnableitung und die ganzheitliche Betreuung, um mit der Krankheit umzugehen.

 

 urologie-1130.at

 

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Klinikguide-Autorin: Mag.a Alexandra Binder