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Soll ich das Nabelschnurblut meines Kindes einlagern?
Was tun mit dem Nabelschnurblut eines Kindes? Stammzellentherapien im Überblick.

Was tun bei der Geburt mit dem an Stammzellen reichen Nabelschnurblut eines Kindes? Einlagern? Spenden? Und welche Erfolge versprechen sich Mediziner überhaupt von der Stammzellenbehandlung? Ein Überblick.

 

KLEINE MENGEN, GROSSE WIRKUNG. Für medizinische Zwecke werden Stammzellen meist aus dem Knochenmark gewonnen („Knochenmarkspende“) oder – die neuere Methode – aus dem Blut gefiltert. Eine Alternative ist Nabelschnurblut. Eine gute: Denn seine Stammzellen sind jung, hatten noch keinen Kontakt zu Viren, die sie übertragen könnten, und eine sehr geringe Immunabwehr, die der Körper erst nach der Geburt aufzubauen beginnt. Das macht sie verträglicher für eine Transplantation, sogar wenn sie in mehreren Merkmalen nicht mit dem Blut der Kranken übereinstimmen. Auch die geringe Menge ist kein Hindernis: Eine Gabe Stammzellen reicht normalerweise nur für Kinder bis 40 Kilogramm. Doch weil sie so gut verträglich sind, können mehrere Portionen kombiniert werden. Deshalb werden heute immer mehr Erwachsene erfolgreich mit Stammzellen aus (fremdem) Nabelschnurblut behandelt.

 

MIT STAMMZELLEN HEILEN. Bisher sind nur blutbildende Stammzellen als Therapie für rund 70 (fast nur blutbildende) Krankheiten zugelassen, vor allem für verschiedene Arten der Leukämie, dazu angeborene Immundefekte, Lymphdrüsenkrebs, schwere Formen der Anämie und andere. Für fast alle davon werden fremde Stammzellen bevorzugt.

 

 

DIE ZUKUNFT. Die Medizin versucht auch andere Stammzellarten zu nutzen und gezielt so zu steuern, dass sie im Körper geschädigtes Gewebe regenerieren – etwa nach einem Herzinfarkt oder einer Querschnittlähmung – oder Funktionsverluste wiederherstellen, wie bei Autoimmunerkrankungen. Das ist schwierig – Stammzellen verhalten sich oft anders als erwartet. Ein besonderes Hoffnungsgebiet ist die Gewebezüchtung („Tissue Engineering“): Hier soll aus speziellen Stammzellen im Labor neues Gewebe entstehen wie Haut, Knorpel, vielleicht sogar einmal Organ(bestandteil)e, die auf oder in den Körper transplantiert werden könnten, ohne Abstoßungsreaktionen hervorzurufen.

 

… STEHT IN DEN STERNEN. In Experimenten (in der Petrischale, an Labortieren, vereinzelt bei Menschen) hat manches davon schon funktioniert, etwa die Züchtung von Haut oder eine Verbesserung der Herzfunktion nach einem Infarkt (das alles muss nun mehrfach wiederholt und langzeitbeobachtet werden). Die dafür nötigen Stammzellen können zum Beispiel aus Knochenmark, Blut oder Haut gewonnen werden – auch ohne Nabelschnurblut. Wenn private Blutbanken euphorisch mit diesen (künftigen) Möglichkeiten werben, fehlt stets ein Hinweis: Die für Gewebezüchtungen benötigte Stammzellart kommt in frischem Nabelschnurblut in geringen Mengen vor. In – mit den derzeitigen Methoden – eingefrorenem ist sie aber nicht mehr ausreichend nachweisbar! Das Versprechen, Ihr Kind könnte sich später einmal „Ersatzteile“ aus seinem stickstoffkonservierten Nabelschnurblut züchten lassen – derzeit das Hauptargument für eine private Einlagerung –, dürfte nach gegenwärtigem Wissensstand also nicht einlösbar sein.

 

Mehr zum Thema:

Das österreichische Stammzellenregister

 

Klinikguide.at-Autorin: Verena Ahne